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Stele aus Schieferplatten

Stele aus Schieferplatten

Beschreibung vieler vornehmer Dachwerke, mit höchstem Fleiß zusammengetragen und der lieben Jugend, sonderlich aber allen Kunstliebhabern der Architektur zu Nutz und Dienst an Tag gegeben!“

Mit diesen Zeilen beginn das gedruckte Werk von Johann Wilhelm aus dem Jahr 1668. Es ist eins der frühen Sammlungen zu Zimmererarbeiten und Holzbaukunst und zeigt etliche Werksätze, Zeichnungen und Konstruktionsskizzen von Dachstühlen, die den hohen Stand des handwerklichen Könnens und die ausgeprägte Zimmermannskunst verdeutlichen.

Im Vergleich der Darstellungen mit dem Dachstuhl in St. Andreas so fällt die Ähnlichkeit mit den Konstruktionszeichnungen Nummer 5 und 6 auf. Lag dem „alten Meister“ das Werk von Johann Wilhelm als Planungsgrundlage vor? Wir können nur spekulieren, aber der erstaunliche Stand der Bautechnik und Handwerkskunst lassen sich allemal in dem Vergleich erkennen.


In der örtlichen Betrachtung hebt sich die dunkelgraue, fast schwarz anmutende Dachfläche von den umliegenden „Ziegelrot“ der Dachziegel deutlich ab. In Franken oder in Hessen wäre ein Schieferdach an der Tagesordnung, hier eine Rarität. Wozu also wurde das Dach mit Schieferplatten gedeckt?

Ausschlaggebend könnten die Verhandlungen und der Friedensvertrag zwischen Preußen und Frankreich sein. Hier wurden die Reparationszahlungen für die Schäden aus dem Deutsch-Französischem Krieg geregelt. Am Abend des 02. September 1870 kapitulierte die „Grande Armee“ vor den, mit den Süddeutschen Staaten verbündeten Preußen. Die Kriegsentschädigung wurde als Wiedergutmachung in den Friedensvertrag verhandelt. Die wirtschaftlichen Blütejahre der „Gründerzeit“ in Deutschland gegen auf diese erheblichen Reparationszahlungen zurück. Neben den finanziellen Leistungen wurden auch materielle Güter – wie Schieferplatten – geleistet.

Unter diesen Eindrücken sind die verbliebenen Schieferdächer in unserer Allgäuer Heimat stumme Zeugen der Geschichte. Eingebunden zwischen Vergangenheit und Zukunft, erklären sie uns historische Entwicklungsstränge und machen die Gegenwart verständlich. Viel wichtiger erscheint mir persönlich - unter den Eindrücken der aktuellen politischen Entwicklung - die tägliche Mahnung, wie wertvoll die Freundschaft und die partnerschaftliche Beziehung zwischen Deutschland und Frankreich sind.
2016, Michael Burz

 


Presseartikel St. Andreas Frankenried | Pfarrbrief Weihnachten 2016 über die Neueindeckung des Kirchendaches.
(Herausgeber: Pfarreiengemeinschaft Mauerstetten - Stöttwang | V.i.S.d.P: Pfarrer Julius Kreuzer | Fotos: privat, Pfarrbriefservice, image - Bergmoser und Holler Verlag AG, Wikipedia)

 

Michael Burz

Dipl.-Ing. (FH) | Geschäftsführer
+49 8341 9032-16